Machupicchu, "Verlorene Stadt der Inka" und Touristenmagnet - Leute aus aller Welt stroemen an diesen Ort und auch fuer so gut wie jeden Backpacker in Suedamerika ist die alte Ruinenstadt ein Muss.
Gebaut wurde die Stadt im 15. Jahrhundert, die Ursache und ihr wahrer Zweck sind bis heute weitgehend ungeklaert. Heutzutage spricht man in ihrem Zusammenhang oft von einer Art "University of Inka", es wird vermutet, dass sie zu Unterrichtszwecken genutzt wurde. Der Umstand, dass die Stadt von den Kolonisten unentdeckt blieb, hat dazu gefuehrt, dass viele der Bauten weitesgehend unbeschaedigt blieben. Erst 1911 wurde die Stadt durch Zufall von dem amerikanischen Professor Hiran Bingham, der sich auf der Suche nach "Eldorado" (im Djungel verschollene "Goldene Stadt" der Inka) befand, wiederentdeckt. Bei der Befragung Einheimischer hoerte er von Ruinen auf dem Berg "Machu Picchu", was in Quechua "alter Berg" bedeutet. Von einem 8-jaehrigen Jungen wurde er auf den Berg gefuehrt, wo er auf die voellig zugewachsene Ruinenstadt stiess. Der Name "Machu Picchu" wurde spaeter fuer die Stadt uebernommen. 1949 wurde Machupicchu schliesslich fuer den Tourismus geoeffnet, weltberuehmt wurde die Ruinenstadt allerdings durch einen Leitartikel im "National Geographic" in den 80er Jahren.
Fuer uns war es Anfang letzter Woche soweit: wir organisierten eine zweitaegige Tour, die uns am zweiten Tag zu Machu Picchu bringen sollte. Den ersten tag fuellte eine ganztaegige Tour im Van durch eine atemberaubende Landschaft in Richtung des Ortes am Fusse des "alten Berges". Durch karge Andenlandschaften mit einsamen Huetten und Alpakaherden schlaengelten wir uns in endlosen Serpentinen die Berge hinauf, um schliesslich in eine Nebeldecke einzutauchen, in der wir den Gipfel des Gebirges ueberquerten. Auf der anderen Seite, immer noch im Nebel, fuhren wir bei einsetzendem Nieselregen bergab und sahen mit der Zeit vereinzelt Baeume im Nebel. Als sich der Nebel schliesslich komplett lichtete, sahen wir unter uns auf einmal ein gruenes Berg- und Waldpanorama. Mit dem Ueberqueren des Gebirges hatten wir anscheinend in die subtropische Klimazone gewechselt, in der sich auch Machu Picchu befindet.
Durch Wald und Strauchwerk, ueber Fluesse und durch Bananenplantagen setzten wir unseren Weg fort, bis wir schliesslich das letzte Stueck zu dem Ort "Aguas Calientes" mit dem Zug zuruecklegen mussten.
Das kleine Staedtchen liegt in einem schmalen Tal am Fluss, im Schatten hoher, bewaldeter Berge. "Aguas Calientes" heisst zu Deutsch "heisses Wasser" und steht fuer die heissen Quellen, fuer die der Ort bekannt ist und in deren Genuss wir am Abend kamen.
Nach einer fuer uns nur kurzen Nacht wurden wir von unsrem Wecker um 3:30 geweckt. Das erste was wir hoerten, war das Geraeusch prasselnden Regens auf Blechdaechern. Leider befanden sich usnere Regenjacken derweil im trockenen Cusco, da es eit ueber einem Monat keinen Tropfen mehr geregnet hatte. So erstand zumindest ich um 4:00 morgens noch einen Plastik "Inkaponcho" und bei Regen und Dunkelheit begannen wir mit einer Gruppe anderer wagemutiger Backpacker den Aufstieg zu Machu Picchu.
Kurz vor 6:00 gelangten wir ausser Atem, verschwitzt und zugeschlammt vor die Eingangstore, wo schon eine kleine Gruppe Nochfruheraufsteher in einer Schlange standen. Die ersten Tourbusse kamen an. Es hatte aufgehoert zu regnen und am Horizont zeichnete sich ein erstes blaues Licht ab, das den weissen Nebel unten im Tal beschien.
Um 6:00 wurden die Tore geoeffnet und dicht an die Leute um uns herum gedraengt passierten wir das Gelaende. Im ersten blassen Tageslicht zeichneten sich die Umrisse der dunklen Ruinen ab. Neben mir hoerte ich jemanden ehrfuerchtig "Machupicchu" fluestern, als wir auf die steinernen Terassen traten. Die stimmung dieses Morgens war wirklich mystisch: alles, die Berge ringsherum und die Ruinen, waren in blaues Licht getaucht und nebelverhangen. Spaeter beobachteten wir, wie die Schatten und Farben sich veraenderten und schliesslich die Sonne hinter einem der hoechsten Berge aufging. Das Blau der Berge verwandelte sich Centimeter fuer Centimeter in ein saftiges Gruen und die Stradt erstreckte sich vor uns im Sonnenlicht. Obwohl diese besondere Stimmung des Ortes auch am Tag anhielt, wurde die Stille des Morgens bald gestoert: groessere Touristengruppen mit Guide bevoelkerten nun das Gelaende und auch wir folgten fuer ca 2 Stunden einer Gruppe und erfuhren einiges an Hintergrundinformationen ueber die Stadt.
Eine der groessten Besonderheiten der Stadt ist die Wahl der Lage, durch die sie quasi uneinnehmbar fuer Feinde war: sie liegt auf etwa 2300 m Hoehe und ist eingekreist von einem Fluss und hohen Gebirgsketten. Oft wird in ihrem Zusammenhang von einem besonders "energetischen" Ort gesprochen.
Als eine der groessten technischen Leistungen der Inka gilt der erdbebengesicherte Aufbau von Staedten. In Machupicchu kann man eine Schlucht zwischen den umliegenden Bergen als Graben in der Stadt fortgesetzt erkennen. Auch die mit reiner Menschenkraft gebauten Inkamauern sind beeindruckend: oft sind 6-12 eckige Steine ins Mauergefuege eingegliedert. Die Steine wurden mit Hilfe der natuerlichen Risse gespalten und zum Teil Wochen und Monate lang bis zur Perfektion bearbeitet.
Rein theoretisch konnten ca 700 Menschen in der Stadt leben und ernaehrt werden. Es besteht eine Unterteilung in 3 Sektoren. Die meisten Gebaeude fungieren als Wohnhaeuser und bilden den "Wohnsektor". Im "landwirtschaftlichen Sektor" wurden auf Terassen angeblich sogar Pflanzen kultiviert, die in der grossen Hoehe eigentlich nicht gedeihen, dadurch dass sie Jahr fuer Jahr hoeher gepflanzt wurden. Der "rituelle Sektor" setzt sich aus einigen grossen Plaetzen, Tempeln und einem Turm zusammen. Wir besichtigten den "Sonnentempel", den "Tempel der drei Fenster" und den "Tempel des Condor", der besonders beeindruckend war. Auf dem Boden sind in abstrakter Form der Kopf und der Koerper eines Condors in Stein dargestellt, zwei grosse gezackte Felsen im Hintergrund symbolisieren die Fluegel. Der Condor wurde neben dem Puma und der Schlange von den Inka verehrt und galt als "Begleiter" der Seelen ins Jenseits.
Nach der Tour verweilten wir noch einige schoene Stunden, die wir selber gestalten konnten. So kletterten wir auf einen der kleineren Berggipfel hinter der Stadt, genossen das atemberaubende Panorama, gesellten uns zu einigen Lamas auf einer Wiese und legten uns in den Schatten alter Mauern.
Ein besonderer Tag.
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