Mittwoch, 29. Juli 2009

"Fluch des Silbers"

Folgend der Link zu einem Onlineartikel vom Spiegel zum Thema Kolonialisierung Suedamerikas und Auswirkungen/bzw. die Lage heute, ueber den wir grade zufaellig gestolpert sind. Recht populaerwissenschaftlich, aber thematisch doch interessant.

Die erwaehnte bolivianische Silberstadt Potosi haben wir waehrend unserer Reise bewusst ausgespart. Noch heute arbeiten in den Silberminen Menschen und sogar Kinder unter erbaermlichen Bedingungen, meist mit einer maximalen Arbeitszeit von 10 und einer Lebenserwartung von 45-50 Jahren. Die Minen sind fuer Touristen zugaenglich und von vielen gradezu schockiert-begeisterten Backpackern haben wir Berichte gehoert und Fotos gezeigt bekommen. Und obwohl die Eintrittsgelder angeblich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen verwendet werden, kam uns diese Art von Tourismus zu sensationsluestern vor, vergleichbar mit einer "Favelatour" in Rio de Janeiro ("Favela"= Armuts- und Elensviertel in Brasilien).

Natuerlich ist der Grad zwischen sogenannten Sensationstourismus und sinnvoller Aufklaerungsarbeit recht schmal. In Lima beispielsweise unternahmen wir mit einem deutschen Sozialunternehmer eine "alternative Stadttour", wahrend der wir verschiedene seiner Umweltschutz- und Aufwertungsprojekte in Armutsvierteln gezeigt bekamen. Zudem besuchten wir eine Waldorfschule fuer behinderte Kinder, in der ein Biogemuesegarten, Pflanzenklaeranlagen und ein Natur-und Erlebnisspielplatz installiert wurden. Diese Art von informativem Tourismus bezueglich Sozial- und Umweltprobleme sagte uns sehr zu.

Falls wir in unseren letzten drei Tagen lieber am Strand rumhaengen und nicht mehr dazu kommen, weiteres ueber diese Erlebnisse zu berichten, freuen wir uns darauf, uns zurueck in Deutschland mit euch zu unterhalten... :-)

Hier der Link:

http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/0,1518,638682,00.html

Liebe Gruesse aus Rio de Janeiro!!!

Montag, 27. Juli 2009

Mal wieder eine kurze Aktualtisierung

Nach ein paar wenigen Tagen in der Perus Wolkenbehnagener Hauptstadt Lima am Pazifik haben wir mal wieder das Land gewaechselt. Leider haben wir noch einen unfreiwilligen einstuendigen Besuch in Argentinien gemacht, der uns einen Ein-und Ausreisestempel gebracht hat, aber auch knapp 20 Dollar und einige Nerven gekostet. Seit Donnerstag sind wir nun wieder fuer die letzten Tage unserer Reise in Brasilien. Bis Dienstag verbringen wir noch, leider bis jetzt sehr verregnete Tage an der Kueste nahe Sao Paulos, bevor wir zum Abschluss noch einmal in Rio sein werden.

Ich denke, ein detailierterer Einblick in die Erlebnisse in Lima und im Hochland von Arequipa wird kommen...

Liebe Gruesse in die Leserrunde

Sonntag, 12. Juli 2009

Machupicchu




Machupicchu, "Verlorene Stadt der Inka" und Touristenmagnet - Leute aus aller Welt stroemen an diesen Ort und auch fuer so gut wie jeden Backpacker in Suedamerika ist die alte Ruinenstadt ein Muss.
Gebaut wurde die Stadt im 15. Jahrhundert, die Ursache und ihr wahrer Zweck sind bis heute weitgehend ungeklaert. Heutzutage spricht man in ihrem Zusammenhang oft von einer Art "University of Inka", es wird vermutet, dass sie zu Unterrichtszwecken genutzt wurde. Der Umstand, dass die Stadt von den Kolonisten unentdeckt blieb, hat dazu gefuehrt, dass viele der Bauten weitesgehend unbeschaedigt blieben. Erst 1911 wurde die Stadt durch Zufall von dem amerikanischen Professor Hiran Bingham, der sich auf der Suche nach "Eldorado" (im Djungel verschollene "Goldene Stadt" der Inka) befand, wiederentdeckt. Bei der Befragung Einheimischer hoerte er von Ruinen auf dem Berg "Machu Picchu", was in Quechua "alter Berg" bedeutet. Von einem 8-jaehrigen Jungen wurde er auf den Berg gefuehrt, wo er auf die voellig zugewachsene Ruinenstadt stiess. Der Name "Machu Picchu" wurde spaeter fuer die Stadt uebernommen. 1949 wurde Machupicchu schliesslich fuer den Tourismus geoeffnet, weltberuehmt wurde die Ruinenstadt allerdings durch einen Leitartikel im "National Geographic" in den 80er Jahren.

Fuer uns war es Anfang letzter Woche soweit: wir organisierten eine zweitaegige Tour, die uns am zweiten Tag zu Machu Picchu bringen sollte. Den ersten tag fuellte eine ganztaegige Tour im Van durch eine atemberaubende Landschaft in Richtung des Ortes am Fusse des "alten Berges". Durch karge Andenlandschaften mit einsamen Huetten und Alpakaherden schlaengelten wir uns in endlosen Serpentinen die Berge hinauf, um schliesslich in eine Nebeldecke einzutauchen, in der wir den Gipfel des Gebirges ueberquerten. Auf der anderen Seite, immer noch im Nebel, fuhren wir bei einsetzendem Nieselregen bergab und sahen mit der Zeit vereinzelt Baeume im Nebel. Als sich der Nebel schliesslich komplett lichtete, sahen wir unter uns auf einmal ein gruenes Berg- und Waldpanorama. Mit dem Ueberqueren des Gebirges hatten wir anscheinend in die subtropische Klimazone gewechselt, in der sich auch Machu Picchu befindet.

Durch Wald und Strauchwerk, ueber Fluesse und durch Bananenplantagen setzten wir unseren Weg fort, bis wir schliesslich das letzte Stueck zu dem Ort "Aguas Calientes" mit dem Zug zuruecklegen mussten.

Das kleine Staedtchen liegt in einem schmalen Tal am Fluss, im Schatten hoher, bewaldeter Berge. "Aguas Calientes" heisst zu Deutsch "heisses Wasser" und steht fuer die heissen Quellen, fuer die der Ort bekannt ist und in deren Genuss wir am Abend kamen.

Nach einer fuer uns nur kurzen Nacht wurden wir von unsrem Wecker um 3:30 geweckt. Das erste was wir hoerten, war das Geraeusch prasselnden Regens auf Blechdaechern. Leider befanden sich usnere Regenjacken derweil im trockenen Cusco, da es eit ueber einem Monat keinen Tropfen mehr geregnet hatte. So erstand zumindest ich um 4:00 morgens noch einen Plastik "Inkaponcho" und bei Regen und Dunkelheit begannen wir mit einer Gruppe anderer wagemutiger Backpacker den Aufstieg zu Machu Picchu.

Kurz vor 6:00 gelangten wir ausser Atem, verschwitzt und zugeschlammt vor die Eingangstore, wo schon eine kleine Gruppe Nochfruheraufsteher in einer Schlange standen. Die ersten Tourbusse kamen an. Es hatte aufgehoert zu regnen und am Horizont zeichnete sich ein erstes blaues Licht ab, das den weissen Nebel unten im Tal beschien.

Um 6:00 wurden die Tore geoeffnet und dicht an die Leute um uns herum gedraengt passierten wir das Gelaende. Im ersten blassen Tageslicht zeichneten sich die Umrisse der dunklen Ruinen ab. Neben mir hoerte ich jemanden ehrfuerchtig "Machupicchu" fluestern, als wir auf die steinernen Terassen traten. Die stimmung dieses Morgens war wirklich mystisch: alles, die Berge ringsherum und die Ruinen, waren in blaues Licht getaucht und nebelverhangen. Spaeter beobachteten wir, wie die Schatten und Farben sich veraenderten und schliesslich die Sonne hinter einem der hoechsten Berge aufging. Das Blau der Berge verwandelte sich Centimeter fuer Centimeter in ein saftiges Gruen und die Stradt erstreckte sich vor uns im Sonnenlicht. Obwohl diese besondere Stimmung des Ortes auch am Tag anhielt, wurde die Stille des Morgens bald gestoert: groessere Touristengruppen mit Guide bevoelkerten nun das Gelaende und auch wir folgten fuer ca 2 Stunden einer Gruppe und erfuhren einiges an Hintergrundinformationen ueber die Stadt.

Eine der groessten Besonderheiten der Stadt ist die Wahl der Lage, durch die sie quasi uneinnehmbar fuer Feinde war: sie liegt auf etwa 2300 m Hoehe und ist eingekreist von einem Fluss und hohen Gebirgsketten. Oft wird in ihrem Zusammenhang von einem besonders "energetischen" Ort gesprochen.
Als eine der groessten technischen Leistungen der Inka gilt der erdbebengesicherte Aufbau von Staedten. In Machupicchu kann man eine Schlucht zwischen den umliegenden Bergen als Graben in der Stadt fortgesetzt erkennen. Auch die mit reiner Menschenkraft gebauten Inkamauern sind beeindruckend: oft sind 6-12 eckige Steine ins Mauergefuege eingegliedert. Die Steine wurden mit Hilfe der natuerlichen Risse gespalten und zum Teil Wochen und Monate lang bis zur Perfektion bearbeitet.
Rein theoretisch konnten ca 700 Menschen in der Stadt leben und ernaehrt werden. Es besteht eine Unterteilung in 3 Sektoren. Die meisten Gebaeude fungieren als Wohnhaeuser und bilden den "Wohnsektor". Im "landwirtschaftlichen Sektor" wurden auf Terassen angeblich sogar Pflanzen kultiviert, die in der grossen Hoehe eigentlich nicht gedeihen, dadurch dass sie Jahr fuer Jahr hoeher gepflanzt wurden. Der "rituelle Sektor" setzt sich aus einigen grossen Plaetzen, Tempeln und einem Turm zusammen. Wir besichtigten den "Sonnentempel", den "Tempel der drei Fenster" und den "Tempel des Condor", der besonders beeindruckend war. Auf dem Boden sind in abstrakter Form der Kopf und der Koerper eines Condors in Stein dargestellt, zwei grosse gezackte Felsen im Hintergrund symbolisieren die Fluegel. Der Condor wurde neben dem Puma und der Schlange von den Inka verehrt und galt als "Begleiter" der Seelen ins Jenseits.

Nach der Tour verweilten wir noch einige schoene Stunden, die wir selber gestalten konnten. So kletterten wir auf einen der kleineren Berggipfel hinter der Stadt, genossen das atemberaubende Panorama, gesellten uns zu einigen Lamas auf einer Wiese und legten uns in den Schatten alter Mauern.

Ein besonderer Tag.











Mittwoch, 8. Juli 2009

Ein paar sinnliche Eindruecke (back to the beginnings)


Barra do Sahy, Brasilien




Sao Paulo




Pantanal, "Pumkin River"




Waelder im Pantanal









"Coca Cola-Omi"






Zugfahrt nach Santa Cruz, Bolivien




unser Shoppingrevier: Maerkte in Bolivien




erste Andenerlebnisse nahe dem Dorf Samaipata




und noch hoeher: La Paz




100% Alpaka gegen die naechtliche Kaelte




bunte Maerkte, "schwarze" Maerkte und Hexenmaerkte in La Paz

Donnerstag, 2. Juli 2009

Peru

Wir sind mal wieder ein Etappenziel weiter. Seit heute mittag haben wir die peruanische Grenze passiert und weilen in Puno an der peruanischen Seite des Titikakasees.
Eigentlich wollten wir schon gestern von Copacabana mit dem Bus nach Puno reisen. Wir sind dann auch mittags mit einem Taxis zu dem nahe gelegenen Grenzort gefahren um dort nach den ganzen Formalitaeten auf der peruanischen Seite einen Bus zur weiterfahrt zu suchen. Am Grenzort angekommen schmunzelten die bolivianischen Beamten leicht als wir um den Ausreisestempel baten. In der grossen Teilen Perus fuhr gestern kein Bus, da kollektiv Gestreikt wurde. Mit einer fanzoesischen Familie fuhren wir dann wieder zurueck nach Copacabana um genoetigter Weise noch eine Nacht dort zu verbringen. Die politische Lage ist in Peru ist seit ein paar Monaten ziemlich zugespitzt. Erst setzte der Praesident zwei Gesetzte ausser Kraft die das Amazonasgebiet vor zu viel Rodung und Landwirtschaft schuetzten. Da insbesondere das Amazonasgebiet der Lebensraum, vieler indigener Voelker ist, die teilweisse vollkommen abgeschnitten Leben, protestierten viele Menschen in Form von u.a. Strassensperren gegen das Gesetz. Nach rund 2 Monaten Protest und zahlreichen Toten setzte die Regierung die beiden Gesetze wieder in Kraft was zu einer voruebergehenden Entspannung der Lage fuehrte. Wir waren aeussert erfreut ueber diese Nachrichten, nicht nur weil der peruanische Praesident, neben zahlreichen Beleidigungen der indigenen Bevoelkerung gegenueber hier ziemlich Schlecht gehandelt hat, sondern auch weil wir immer wieder von anderen Reisenden, die uns entgegen kamen gehoert haben, dass diese durch die vielen Streiks und Strassensperren oft mehrere Tage in Ortschaften festsassen. Dementsprechend gingen wir davon aus, dass die Lage in Peru zwar noch nicht wieder ganz in Butter war, aber wir ohne Probleme reisen konnten.
Nun kam, wie wir gestern erfahren haben neuer politischer Zuendstoff hinzu. Vor wenigen Tagen hat die peruanische Regierung einer Mineraloelfirma erlaubt im Amazonasgebiet an einigen Orten nach Oel zu bohren. Das wiederrum bedroht die Existenz einiger inigender Staemme, da durch dass bohren nach Erdoel leicht z.B. das dortige Wasser versaeucht werden kann, von dem die Menschen natuerlich abhaenig sind. Auch gibt es einige Staemme die ohne Kontakt zu der westlichen Welt leben und fuer die mit einem derart drastischen Einriff in ihren Lebensraum die Gefahr von Krankheiten die sie bis jetzt nicht kennen und nicht Immun gegen sind enorm vergroessert wuerde. Diese neuen Ereignisse haben nun gestern zu ausfuehrlichen Protesten gefuhrt, so das kein Bus fuhr. Heute fuhren zum Glueck wieder Busse, doch waren teilweisse auf den Strassen noch zahlreiche Steine die gestern wohl als Strassensperre gedient haben zu sehen.
Mal sehen wie das so weiter geht, aber eigentlich kann nicht mehr passieren, als das wir mal unfreiwillig festsitzten. Ich finde es gut, dass wir soetwas auch mal an der eigenen Haut erfahren und somit eine direkte Verbindung dazu bekommen. Denn es ist fuer mich ein rieser Unterschied, ob ich mich dieser Sache erlebend Gegenueberstelle oder ob ich es ohne Bezug den Nachrichten entnehme.