Nach 1 1/2 wunderschoenen, geselligen, kulturellen, aber auch lauten und staedtischen Wochen verliessen wir Sao Paulo in Richtung bolivianische Grenze. Nach den vielen Grossstadterlebnissen sehnten wir uns nach Weite und Natur. 15 Stunden fuhren wir mit dem Bus durch eine Landschaft, die mich zum Teil an Bilder des wilden Westens Amerikas und zum Teil an Gegenden Afrikas erinnerte: endlose Steppe, Strassen die zum Horizont reichen, Kuhweiden und Ranches, andererseits tiefrote Erde, schlammig rote Strassen gesaeumt von gruenen Baeumen, aermliche aber bunte Doerfer.
Von der Stadt "Campo Grande" aus brachen wir schliesslich zu einer viertaegigen Tour in das Naturschutzgebiet "Pantanal" auf.
Das Pantanal (portugiesisches Wort fuer "Sumpf") ist ein artenreiches Feuchtbiotop im Suedwesten Brasiliens, das sich mit einer Groesse von 230 000 km2 bis an die Grenzen Paraguays und Boliviens erstreckt. Waehrend der Regenzeiten (leider Okt.-Maerz) wird das Gebiet fast vollstaendig uberflutet und ist weitgehend nur per Boot zu erreichen. Doch auch in der Trockenzeit ist die Landschaft durch zahlreiche Fluesse und Seen ein Erlebnis. Durch die jaehrliche Ueberflutung ist das Pantanal kaum besiedelt und bietet somit einer Fuelle an Tieren und Pflanzen Raum und Nahrung.
Wir verbrachten 3 Naechte und mehr oder weniger 4 Tage auf einer Farm, ca eine Stunde Jeepfahrt von der naechsten asphaltierten Strasse entfernt, zusammen mit vielen netten Backpackern, Streichelschweinen, Schafen, Pferden und vieelen lauten Papageien am Tag und Fledermaeusen in der Nacht um uns herum.
Am ersten Morgen klingelte der Wecker im Maedchendorm um 3:30. Draussen war es noch dunkel und kalt, verschlafen torkelten wir zum Truck. Unser Guide in kurzen Hosen und T-shirt schien bereits topfit. Auf dem Truck sitzend, bei gefuehlten Minusgraden fragte ich mich, warum ich drei Bikinis dabei habe, aber keinen Wintermantel.
Im Spot der Taschenlampe des Guide beobachteten wir rotgluehende Augen in der Dunkelheit, im Unterholz und im Wasser: Waschbaeren, Wasserschweine und Alligatoren.
Um 6:00 bestaunten wir bei einem kleinen Spaziergang einen wunderschoenen Sonnenaufgang und fruehstueckten anschliessend Kekse und Melone im Truck. Es wurde waermer. Nein, es wurde HEISS, innerhalb weniger Stunden. Den Vormittag verbrachten wir mit der "Jeep"- bzw Trucksafari und beobachteten und fotografierten, mit Touriebegeisterung, Tiere. Insgesamt beobachteten wir waehrend unseres Aufenthaltes noch Hirsche, Guerteltiere, Fuechse, Aras, Tukane, Otter, Affen und viele viele andere Tiere, insbesondere Voegel.
Am spaeten Vormittag stapften wir mit unsrem Guide durch hohes trockenes Gras, auf der Suche nach Schlangen (ich fragte mich die ganze Zeit, was passiert, wenn ICH eine finde und bemuehte mich sehr in die Fussstapfen meines Vorgaengers zu treten), fanden aber nur ein paar Schlangenhaeute...Puh.
Nach einem laengeren Walk und Mittagessen am Lagerfeuer und Flussufer ging es mit dem Truck wieder ein Stueck Richtung Farm. Auf halber Strecke verliessen wir Truck und Strasse und verbrachten den Rest des Tages mit unserem Guide im Unterholz.
So schlichen wir durch Palmen- und Laubwaelder, beobachteten Affen, diverse "Baeren" (Nasenbaeren und einen Ameisenbaeren) und bestaunten die Natur um uns herum, die riesigen, in ihren Wurzeln verschlungen wachsenden Baeume. Ich genoss es unheimlich, im Wald zu sein. Die Waelder hier sind atemberaubend. Allein Palmen sind bemerkenswerte Pflanzen: die Palmenblaetter, bzw -wedel und die Staemme koennen fuer allerlei handwerkliche Arbeiten, hier zb zum Hausbau, verwendet werden. "Palmito" die Palmenherzen sind hier eine traditionelle Speise, die wir schon oft gegessen haben. Das Kokoswasser ist ein koestliches und sehr gesundes Getraenk (auf Jamaika gibt es angeblich eine Gruppe Rastafari, die sich allein von Kokosnuessen ernaehren), die Rinde kann zum Wasserfiltern verwendet werden und der Rindensaft ist ein Heilmittel gegen allerlei Infektionen.
Nach mehreren Stunden in Wald und Feld kehrten wir zerstochen und mit einem Gemisch aus Schweiss, Dreck, Sonnencreme und Insektenschutzmittel auf der Haut zurueck, voellig fertig, aber gluecklich. Bis auf die Moskitos und ein paar andere eklige Insekten (z.B. schwarze Bienen, die sich im Kopfhaar einnisten) ein grandioser Tag!! Zum Glueck haben wir ja "Nobite", unser chemisches Insektenschutzmittel, dessen Geruch wir mitlerweile als ungefaehr den von Kabelbrand identifiziert haben. ;-)
Am zweiten ganzen Tag erkundeten wir das Pantanal auf Pferderuecken, zuckelten ueber Sandwege, wateten durch tiefe Seen und striffen durchs Buschland. Am spaeten Nachmittag starteten wir zu einem Motorboottrip auf dem "Pumkin"-Fluss, waehrend dem wir eine Vielzahl an Voegeln beobachten konnten-und natuerlich immer wieder Alligatoren, die hier in riesigen Scharen, unbeweglich vor sich hinstarrend am Ufer liegen.
Den letzten Abend verbrachten wir mit den anderen Backpackern am Lagerfeuer, ein wenig sentimental darueber, Brasilien nun bald zu verlassen.
Der kroenende Abschluss (fuer mich weniger) war das Piranha-fishing am naechsten Morgen: den halben Tag sassen wir in der brennenden Sonne am Flussufer und warteten, dass einer der kleinen bissigen Fische anbeisst, bei mir ohne Erfolg, worueber ich nicht traurig war. Ein Junge neben uns hatte noch weniger Erfolg: statt eines Piranhas fischte er eines der Krokodile! Das arme Ding konnte aber wieder gerettet werden.
Nach dem Piranha-Mahl am Mittag verliessen wir das Pantanal zusammen mit einer grossen Gruppe Englaendern, Iren und einem Schweizer, alles sehr nette Leute, mit denen wir bis vor ein paar Tagen sogar noch in Bolivien unterwegs waren.
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