Mittwoch, 24. Juni 2009

Impressionen Boliviens

Bolivien wird oft mit den Superlativen aermstes und indianischstes Land Suedamerikas bezeichnet. 60% der Bevoelkerung haben eine indigene Herkunft.
Von vielen Backpackern wird das von allen Seiten von anderen Laendern eingekesselte Bolivien oft umgangen. Der Weg von Brasilien ueber Argentinien und die Kueste Chiles werden beispielsweise bevorzugt. Auch ich wusste vor unseren Reisevorbereitungen nur wenig ueber das Land, bin mitlerweile aber ueberzeugt davon, dass es als Reiseziel alle (zT niedrigen) Erwartungen uebertrifft.

Besonders nach Brasilien, einem mitlerweile spuerbar globalisierten Land, ist Bolivien mit seinen alten Kulturen und Traditionen ein spannendes Erlebnis fuer uns.
Die Vergangenheit des Landes ist allgegenwaertig. Eines der ersten und einpraegensten Bilder in Bolivien ist das der indigenen Frau, die durch ihre dunkle Haut, die dunklen Augen und dunklen Haare sowie der traditionellen Kleidung hervortritt: die schwarzen Haare werden zu langen Zoepfen geflochten und zum Teil mit Baendern oder Perlen geschmueckt, ein Schlapphut aus Stroh oder Filz schuetzt in den Bergen vor der starken Sonneneinstrahlung. Weitere Erkennungszeichen sind die weiten Faltenroecke und bunt gewebten Ponchos um die Schultern. Viele der Frauen tragen bunte Tragetuecher mit Babys oder Marktwaren und Habseligkeiten auf dem Ruecken.
Selbstverstaendlich existiert in Bolivien auch eine kleinere, hauptaechlich spanisch staemmige, gut situierte Oberschicht, sichtbar in den noblen Stadtkernen. Neben Kirchen und Plaetzen im Kolonialstil tummeln sich modern gekleidetet Studenten in europaeisch wirkenden Cafes und zeitungslesende Geschaeftsmaenner lassen ihre Schuhe polieren. Doch der Grossteil des bolivianischen Lebens spielt sich zwei Meter daneben, am Strassenrand, in den Kleinstadten und Doerfern, auf dem Land und in den Bergen ab.

Wir verbrachten vier wunderbare Tage in einem Dorf namens "Samaipata", etwa 100 km ausserhalb von Santa Cruz, nahe dem Natiuonalpark "Amboro". Auf unserem Weg ueber steinige Strassen kamen wir durch zahlreiche laendliche Doerfer, in denen die Menschen ein aermliches, arbeitsreiches, aber buntes Leben fuehren: die Strassen werden von kleinen Orangenplantagen gesaeumt, am Strassenrand im Staub halten friedliche Hunde Siesta und Frauen und Kinder verkaufen an ihren kleinen Staenden Obst, Getraenke und Suessigkeiten, stuermen auf die vorbeifahrenden Taxis zu. Zwischen den baufaelligen Huetten sind bunte Waescheleinen gespannt, auf den Feldern sieht man Frauen und Maenner mit Kuehen oder Eseln. Ueberall auf den Strassen und zwischen den Haeusern flattern Huehner herum und wuehlen kleine Schweinchen im Dreck (die Landbevoelkerung kuemmert sich reichlich wenig um die Influenza).
Samaipata selbst ist ein wunderhuebsches Doerfchen in den Bergen, in dem das Leben der Menschen schlicht, aber aufgrund des Tourismus nicht armutsgepraegt ist. Tradition und Tourismus scheinen hier tatsaechlich vereinbar. "Gringos" zeigen Respekt vor den Einwohnern, der Schoenheit des Ortes und der Natur. Das Leben hier erschien uns nach dem Aufenthalt in der Stadt angenehm langsam. Omis stehen in ihren Haustueren, gruessen vorbeilaufende Nachbarn und beobachten das Geschehen. Taxifahrer plauschen in Grueppchen auf dem Dorfplatz und reissen sich nicht grade um die Arbeit, wenn Touristen vorbeikommen. In traditioneller und kuenstlerischer Atmosphaere, sowie in netter Gesellschaft genossen wir bestes Essen, erlebten bunte Maerkte und Menschen, besuchten unsere ersten Inka-Ruinen und wanderten in den Bergen. Mit einem netten englischen Maedchen besuchte ich einen "Zoo", der sich als ein netter kleiner Tiergarten entpuppte, in dem heimische Tiere (Affen, Papageien, Wildschweine, Schildkroeten, Hunde, Ponys etc.) als bunte Familie zusammen leben und zum Teil von Krankheiten, Verletzungen oder Misshandlungen gepflegt werden.

Schweren Herzens verliessen wir Samaipata nach ein paar Tagen wieder, um uns auf die Suche nach anderen schoenen Orten zu machen.

Bis auf unsere Zeit in Samaipata verbrachten wir unsere Zeitin Bolivien bisher weitesgehend in groesseren Staedten. Unsere Eindruecke von dem bolivianischen Landleben bekamen wir somit weitgehend waehrend langer Busfahrten.
Busfahrten in Bolivien sind Erlebnisse besonderer Art. Alles beginnt im Terminal, dem Busbahnhof, einem rieeesigen Markt, auf dem anstatt von Gemuese, Obst und Fleisch Bustickets verkauft werden. Die Luft ist von einem an- und abschwellendem Singsang bzw. Geschrei verschiedener Stadtnamen erfuellt, permanent versuchen Anwerber Blickkontakt herzustellen und potentielle Kunden zu dem "Marktstand" der jeweiligen Busgesellschaft zu ziehen. In diesem Gedraenge wird geschimpft, gezogen, gebettelt und der Ellbogen gegen die Konkurrenz eingesetzt.
Im Bus selbst bekommt man von bolivianischen Omis Eis, Coca Cola, oder auch schonmal Huehnchen angeboten und wird genoetigt, kitschige Musik zu hoeren oder schlechte Filme anzuschauen. Das einzige Gute an bolivianischen Bussen ist, dass man bei frostigen Aussentemperaturen nicht auch noch von einer Klimanlage weggepustet wird, wie in Brasilien. Die Busse sind klapprig, die Strassen streckenweise nicht ihes Namens wuerdig und die Zeit kann sich ganz schoen in die Laenge ziehen in einem Bus ohne Toilette (bei uns zB 10 Stunden und mehr!). Bei alldem bleibt als Flucht nur noch der Blick aus dem Fenster...

Den bolivianischen Regenwald konnten wir leider nur als Schatten in der Nacht bestaunen, doch auf unserer Busfahrt von Cochabamba (2500m) nach La Paz (3700m) boten sich uns grandiose Eindruecke von dem Leben in den Anden.
9 Stunden fuhren wir durch endlose Berglandschaften, zT jenseits der Baumgrenze. Zwischen Bergen, inmitten weiter Steppen und nichts als Einsamkeit sahen wir vereinzelt Menschen mit Esel- Schaf- und Alpakaherden ziehen, bunte Punkte in der sonst kargen Lanfschaft. In winzigen zT halb zerfallenen Doerfern leben Menschen ein schlichtes Leben, bestellen kleine Getreidefelder am Berghang und verkaufen Fleisch und Handwerksachen am Wegesrand.
Bei Nachtanbruch sahen wir kleine Feuer in der Dunkelheit und Wetterleuchten am Horizont.
Hoehepunkt dieser Fahrt, nein Hoehepunkt ist nach dem Andenpanorama nicht das richtige Wort. Der ¨kroenende Abschluss¨ dieser Fahrt war der Blick, der sich uns vom Berg auf die naechtlich leuchtende Stadt La Paz unter uns bot.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Premiere

Naechste Woche Sonntag (28. Juni) findet in der wittener Waerkstadt die Premiere von Einleben statt. Es ist also endlich soweit, der Film ist nicht mehr nur in Rohfassungen auf dem PC zu sehen, sondern bald fertig auf Leinwand zu betrachten. Fuer mich ist es komisch, die ganze Zeit waehend den Dreharbeiten dabei gewesen zu sein und nun nicht die Premiere wahrnehmen zu koennen. Ich muss die Tage immer wieder an die Erlebnisse denken, die wir mittlerweile vor ziemlich genau einem Jahr zusammen gehabt haben. Fuer mich war es eine ereignisreiche Zeit die mir neues Gezeigt hat und sicherlich praegend auf das letzte Jahr gewirkt hat. Es ist aber nicht nur der Film an sich den ich endlich komplett und fertig sehen moechte, sondern vorallem auch die ganzen Meschen die irgendwie an dem Projekt beteiligt waren und die ich zum Teil seit dem nicht mehr gesehen habe.

Wir sind noch Cochabamba, ich geniesse das bunte Treiben in den Strassen. Es ist immer wieder schoen durch die Gassen zu laufen und um einen herum gehen die verschiedensten Menschen ihren Taetigkeiten nach. Ich schwebe immer wieder zwischen einem Heimwehgefuehl und Fernwehgefuehl. Ich merke auf der Reise ziemlich deutlich, was mit an meiner Heimat, insbesondere den Menschen dort liegt und wuensche mich manchmal dorthin. Andererseits taucht auch immer wieder das Verlangen auf, schnell wieder auf Reise gehen zu wollen, vieleicht in Osteuropa...?
Neben dem Leben im jetzt, gerade in Bolivien beschaeftige ich mich oft mit der Frage was ich danach mache. Ich versuche klar zu bekommen wie, wo ich leben moechte. Ein Studium an der Uni ist irgendwie weiterhin noch kein Thema fuer mich. U.a. konkreter angeregt durch ein Treffen im Rahmen der Connecttagung in Dornach bewege ich die Frage nach einem "freien Studium" in mir. Aber was das im konkreten fuer mich heisst ist mir noch unklar. Mal sehen was sich ergibt...

Dienstag, 16. Juni 2009

Corumba - Santa Cruz (08.06 - 16.06)

Mit einigen anderen Backpackern checkten wir in in Corumba in einem ziemlich einfachen Hostel ein, um am naechsten Tag die Grenze anch Bolivien zu passieren. Frueh morgens am 08.06. machten wir uns auf zum Busbahnhof um dort unseren Ausreisestempel zu bekommen, mit dem Taxi ging es dann zu der wenige Kilometer entfernten Grenze. Dort angekommen, standen erstmal die Zollformalitaeten an. Nachdem wir saemtlcihe Angaben zu unserer person und den Reisegruenden gemacht hatten, gabts von dem stets grimmip schauenden grenzbeamten den Einreistempel fuer 30 Tage. Leider hatten Linnet und Ich so gut wie keine Reals mehr, so dass wir auf der bolivianischen Seite der Grenze unbedingt eine Bank finden mussten um das Zugticket nach Santa Cruz bezahlen zu koennen. Zunaehst begegneten uns in dem ziemlich kleinen Grenzort aber nur Scharen von Geldwechslern, aber keine Bank. Eigentlich finde ich hat diese Situaion etwas, man ist irgendwo an der brasilianisch-bolivianischen Grenze, laeuft mit Rucksack auf dem Ruecken durch irgendwelche staubigen, treckigen Strassen, schlaengelt sich zwischen stinkenden und stetig hupenden Autos entlang, immer wieder rennt ein Hund einem an den Fuessen vorbei und die Laeute am Strassenrand starren einen an. Die erste Bank war gefunden, doch akzeptierte sie nur VISA-Karten. Die Suche musste also weiter gehen, nach einigem Durchfragen tauchte schliesslich eine weitere Bank auf, die unsere Karten akzeptierte.
Am Bahnhof angekommen, oeffnete recht bald der Schalter. Wir kauften die Tickets, es gab nur noch erste Klasse, was dann 115 Bolivinos (ca. 11 Euro) fuer 20 Stunden Zugfahrt und geschaetzte 600 Kilometer machte. In der Mittagshitze gings los. Der Zug hat den Stitznahmen "Todeszug" was aber mittlerweile nicht mehr so ganz zutrifft. Mit ueberschaubaren 50 KmH Maximalgeschwindigkeit schlengelte sich der Zug durch eine ziemlich unbesiedelte Landschaft. Doch immer wenn die stetig nach rechts und links schwankenden Waggons an hielten, stieg eine riesige Anzahl an Frauen und Kindern, die gebratene Fleischspiesse, Reisschalen, Broetchen, Kaffe, Obstnetze und Coca Cola verkauften zu. Das machte die Zugfahrt fuer ein paar Minuten immer sehr lebendig. Die mehr als durchgesessenen Stitze liesen sich netter weisse nach hinten Klappen. Am Fenster sitzend konnte man dazu die Fuesse aus dem Fenster strecken und dann in dieser halbwegs gequemen Position die Landschaft betrachten. Ab und zu standen ein paar Haeuser an der Strecke, ansonsten erstreckte sich ein flaches, teilweise kultiviertes Land.
Als es draussen vollkommen Dunkel war, haette eigentlich die Belaeuchtung in Zug anspringen muessen, doch diese Funktionierte nicht auf Anhieb, so tuckerten wir fuer eine weile ohne Licht durch die dunkle Landschaft.
Eigentlich hatten wir uns auf 24 Stunden Zugfahrt eingestellt und waren somit aeusserst ueberraschft, als wir am naechsten morgen nach bereits 20 Stunden Fahrt in Santa Cruz ankamen. Ploetzlich musste es schnell gehen, alle Sachen zusammensuchen und Raus. Auf dem Bahnsteig konnten wir dann noch von einem Wachmann angetrieben alle Sachen wieder verpacken und machten uns dann mit den anderen Backpackern auf ein Hostel fuer die naechsten Tage zu finden.
In einer recht schmucken Herberge, zwei Blocks vom Plaza, dem Stadtzentrum entfernt checken wir noch relativ frueh morgens ein. Die Innenstadt rund um den Plaza, ein grosser Platz mit Baeumen, etwas Gruenflaeche, vielen Sitzbaenken und Schuhputzern besteht aus zahlreichen kleinen Laeden, Eiskaffes und Imbisbuden. Auf den vielen Baenken des Plazas sitzen stetig Laeute unterhalten, trinken einen Kaffe von einem der mobilen Kaffeverkaeufer oder lassen sich die Schuhe putzen. Dieses ziemlich friedliche und gesellige Leben wird in der ganzen Innenstadt von Polizisten und Sicherheitsbeamten, die mit Schlagstoecken am Guertel und teilweise Schrotflinten oder Gewehren um die Schulter tragend, das gesellige Leben bewachen. Warum ist mir schleierhaft. Allerdings ist dieses entspannte Leben rund um den Plaza so nicht ganz representativ fuer die Stadt: In den Seitenstrassen des Plazas liegen immer wieder Menschen in Hauseingeangen oder teilweise auf dem offenen Gehweg und schlafen, Frauen sitzen mit ihren Kindern an den Ecken und betteln um ein paar Bolivianos oder sogar Kinder, die selbst kaum aelter als 6 Jahre sind fragen mit einem Baby auf dem Arm nach Geld.
Nach zwei Tagen in Santa Cruz sind wir fuer 3 Tage nach Samaipata gefahren. Jetzt waren wir gerade noch einmal zwei Tage auf Zwischenstation in Santa Cruz um morgen weiter nach Cochabamba zu fahren.

Pantanal (4.06.-7.06.)

Nach 1 1/2 wunderschoenen, geselligen, kulturellen, aber auch lauten und staedtischen Wochen verliessen wir Sao Paulo in Richtung bolivianische Grenze. Nach den vielen Grossstadterlebnissen sehnten wir uns nach Weite und Natur. 15 Stunden fuhren wir mit dem Bus durch eine Landschaft, die mich zum Teil an Bilder des wilden Westens Amerikas und zum Teil an Gegenden Afrikas erinnerte: endlose Steppe, Strassen die zum Horizont reichen, Kuhweiden und Ranches, andererseits tiefrote Erde, schlammig rote Strassen gesaeumt von gruenen Baeumen, aermliche aber bunte Doerfer.

Von der Stadt "Campo Grande" aus brachen wir schliesslich zu einer viertaegigen Tour in das Naturschutzgebiet "Pantanal" auf.

Das Pantanal (portugiesisches Wort fuer "Sumpf") ist ein artenreiches Feuchtbiotop im Suedwesten Brasiliens, das sich mit einer Groesse von 230 000 km2 bis an die Grenzen Paraguays und Boliviens erstreckt. Waehrend der Regenzeiten (leider Okt.-Maerz) wird das Gebiet fast vollstaendig uberflutet und ist weitgehend nur per Boot zu erreichen. Doch auch in der Trockenzeit ist die Landschaft durch zahlreiche Fluesse und Seen ein Erlebnis. Durch die jaehrliche Ueberflutung ist das Pantanal kaum besiedelt und bietet somit einer Fuelle an Tieren und Pflanzen Raum und Nahrung.

Wir verbrachten 3 Naechte und mehr oder weniger 4 Tage auf einer Farm, ca eine Stunde Jeepfahrt von der naechsten asphaltierten Strasse entfernt, zusammen mit vielen netten Backpackern, Streichelschweinen, Schafen, Pferden und vieelen lauten Papageien am Tag und Fledermaeusen in der Nacht um uns herum.

Am ersten Morgen klingelte der Wecker im Maedchendorm um 3:30. Draussen war es noch dunkel und kalt, verschlafen torkelten wir zum Truck. Unser Guide in kurzen Hosen und T-shirt schien bereits topfit. Auf dem Truck sitzend, bei gefuehlten Minusgraden fragte ich mich, warum ich drei Bikinis dabei habe, aber keinen Wintermantel.

Im Spot der Taschenlampe des Guide beobachteten wir rotgluehende Augen in der Dunkelheit, im Unterholz und im Wasser: Waschbaeren, Wasserschweine und Alligatoren.

Um 6:00 bestaunten wir bei einem kleinen Spaziergang einen wunderschoenen Sonnenaufgang und fruehstueckten anschliessend Kekse und Melone im Truck. Es wurde waermer. Nein, es wurde HEISS, innerhalb weniger Stunden. Den Vormittag verbrachten wir mit der "Jeep"- bzw Trucksafari und beobachteten und fotografierten, mit Touriebegeisterung, Tiere. Insgesamt beobachteten wir waehrend unseres Aufenthaltes noch Hirsche, Guerteltiere, Fuechse, Aras, Tukane, Otter, Affen und viele viele andere Tiere, insbesondere Voegel.

Am spaeten Vormittag stapften wir mit unsrem Guide durch hohes trockenes Gras, auf der Suche nach Schlangen (ich fragte mich die ganze Zeit, was passiert, wenn ICH eine finde und bemuehte mich sehr in die Fussstapfen meines Vorgaengers zu treten), fanden aber nur ein paar Schlangenhaeute...Puh.

Nach einem laengeren Walk und Mittagessen am Lagerfeuer und Flussufer ging es mit dem Truck wieder ein Stueck Richtung Farm. Auf halber Strecke verliessen wir Truck und Strasse und verbrachten den Rest des Tages mit unserem Guide im Unterholz.

So schlichen wir durch Palmen- und Laubwaelder, beobachteten Affen, diverse "Baeren" (Nasenbaeren und einen Ameisenbaeren) und bestaunten die Natur um uns herum, die riesigen, in ihren Wurzeln verschlungen wachsenden Baeume. Ich genoss es unheimlich, im Wald zu sein. Die Waelder hier sind atemberaubend. Allein Palmen sind bemerkenswerte Pflanzen: die Palmenblaetter, bzw -wedel und die Staemme koennen fuer allerlei handwerkliche Arbeiten, hier zb zum Hausbau, verwendet werden. "Palmito" die Palmenherzen sind hier eine traditionelle Speise, die wir schon oft gegessen haben. Das Kokoswasser ist ein koestliches und sehr gesundes Getraenk (auf Jamaika gibt es angeblich eine Gruppe Rastafari, die sich allein von Kokosnuessen ernaehren), die Rinde kann zum Wasserfiltern verwendet werden und der Rindensaft ist ein Heilmittel gegen allerlei Infektionen.

Nach mehreren Stunden in Wald und Feld kehrten wir zerstochen und mit einem Gemisch aus Schweiss, Dreck, Sonnencreme und Insektenschutzmittel auf der Haut zurueck, voellig fertig, aber gluecklich. Bis auf die Moskitos und ein paar andere eklige Insekten (z.B. schwarze Bienen, die sich im Kopfhaar einnisten) ein grandioser Tag!! Zum Glueck haben wir ja "Nobite", unser chemisches Insektenschutzmittel, dessen Geruch wir mitlerweile als ungefaehr den von Kabelbrand identifiziert haben. ;-)

Am zweiten ganzen Tag erkundeten wir das Pantanal auf Pferderuecken, zuckelten ueber Sandwege, wateten durch tiefe Seen und striffen durchs Buschland. Am spaeten Nachmittag starteten wir zu einem Motorboottrip auf dem "Pumkin"-Fluss, waehrend dem wir eine Vielzahl an Voegeln beobachten konnten-und natuerlich immer wieder Alligatoren, die hier in riesigen Scharen, unbeweglich vor sich hinstarrend am Ufer liegen.

Den letzten Abend verbrachten wir mit den anderen Backpackern am Lagerfeuer, ein wenig sentimental darueber, Brasilien nun bald zu verlassen.

Der kroenende Abschluss (fuer mich weniger) war das Piranha-fishing am naechsten Morgen: den halben Tag sassen wir in der brennenden Sonne am Flussufer und warteten, dass einer der kleinen bissigen Fische anbeisst, bei mir ohne Erfolg, worueber ich nicht traurig war. Ein Junge neben uns hatte noch weniger Erfolg: statt eines Piranhas fischte er eines der Krokodile! Das arme Ding konnte aber wieder gerettet werden.

Nach dem Piranha-Mahl am Mittag verliessen wir das Pantanal zusammen mit einer grossen Gruppe Englaendern, Iren und einem Schweizer, alles sehr nette Leute, mit denen wir bis vor ein paar Tagen sogar noch in Bolivien unterwegs waren.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Sao Paulo

Sao Paulo ist von Deutschland um die 10.000 Km entfernt, trotzdem ist Deutschland fuer uns selbst hier greifbar nah: Wir treffen Zivildienstleistende und FSJler aus Wuppertal, Wetter und Dortmund, einen Schauspieler und Theaterpaedagogen aus Dortmund der in Witten mit der "Projektfabrik" gearbeitet hat und in der Waldorfschule haengen Flyer von "Theater Total" aus Bochum.
Die Waldorfschule gestalltete sich im aeusseren sehr schoen, jedoch ist sie hier eine klare Schule fuer Kinder der Oberschicht deren Eltern die Schule eher weniger aus gruenden der Waldorfpaedargogik gewaehlt haben als das sie eine Privatschule ist und somit irgendwie besser sein muss als die oeffentlichen Schulen. Somit ist die Schule komplett Eingezaeunt und wir von einem Portier bewacht, der jeden kontrolliert der raus und rein moechte.
Aehnlich gestalltet sich Stadtviertel um die Schule. Hohe Mauern die von Natodraht Kameras und Bewegungsmelder geziert werden, dahinter bellenen Hunde und Portiers, hinter verspiegelten Scheiben sitztend ueberwachen das Ganze. Hinter all dem verbergen sich, oftmal von der Strasse gar nicht erkennbar die Villen der neureichen Oberschicht Sao Paulos.
Es gibt eine Flut an kleinen Arbeitsplaetzen, so sind an jeder Tankstelle, an jeder Zapfsaeule Menschen die Tanken, Scheibenputzten und den Oelstand kontrollieren. An jeder Kasse im Supermarkt tueten Menschen die Einkaeufe in kleine Plastiktueten ein, auf Fahrraeder werden diese dann teilweise zum Kunden gefahren. In bestimmten Vierteln sitzten Menschen in oder vor ca. 3 Quadratmeter grossen Huettchen und bewachen die Strassen. Auf den Gehwegen der Innenstadt stehen immer wieder Leute, die ein Werbeplakat umhaben und so den ganzen Tag als eigentlich lebendige, aber stetig stehende oder sitzende Litfassseule arbeiten.
Sympathisch sind die kleinen, offenen Eckkneipen die von oben bis unten mit weissen Karreln Ggefliesst sind und aus einer Jukebox brasilianische Musik hallt. Vor und in der Kneipe spielt sich das Leben ab, es wird zusammen getrunken, diskutiert und auch mal lauthals gesungen.
Der Verkehr ist ein einziges Chaos. Morgends und am spaeten Nachmittag geht nichts mehr, da das Metronetz viel zu lueckenhaft ist fahren fuer die Strasssen viel zu viele Autos. Jeder der es sich irgendwie leisten kann hat ein Auto. Es wird gehupt ohne Ende, doch es wirft einem keiner beim Ueberholen einen boessen Blick zu.
Von den Hochhaeusern des Zentrums reicht der Blick weit ueber die Haeuserdaecher, erreicht aber niemals ein Ende dieser 20 Millionen Einwohner Stadt.

Dienstag, 2. Juni 2009

Strandhaus - Barra do Sahy

(Dieser Artikel ist eine Weiterfuehrung des unten stehenden Rueckblick)

Alle Menschen an der Bushaltestelle belustigten sich ueber unsere Versuche dem Verwalter verstaendlich zu machen, dass wir angekommen sind und er uns abholen kann. Mit einem Quad ging es ueber eine Huegelpiste zum Haus. Angekommen, erblickten wir ein wunderschoenes, mitten in Baeume und Straeucher eingebettetes, im suedfranzoesichem Stil gehaltenes Haus. Eine kleine Schneise durch die, in einander verschlungenen Baeume, Graeser, Straeucher und Blumen eroeffnete uns einen fantasitischen Blick auf die kleine, vor uns liegende Bucht. Zur rechten erstreckte sich ein kleiner Sandstrand, der von den bewaldeten Huegeln, die die Bucht begrenzen beendet wurde. Zur linken schweifte der Blick ueber das offene Meer auf dem sich in gelb-organge-rot die untergehende Sonne spiegelte. Waehrend die Grillen um uns herum zirpsten und wir das Rauschen der Meeresbrandung unter uns hoerten, bestaunten wir all abendlich das Lichtspektakel der untergehenden Sonne. Fuer mich war es das erste Mal, dass ich den impressionsichtischen Maler wahrhaftig Nachempfinden konnte, scheinbar sekuendlich aenderte sich das Licht, der doch relativ schnell verschwindenden Sonne. Nachdem das Sonnenlicht erloschen war, starteten die Fledermaeuse ueber unseren Koepfen ihre rasanten Fluege durch die Nacht und Gluewuermchen, die Leuchtsignale wie Autoblinker gaben, kreuzten vor unseren Augen. Ein Salamander, an der Scheibe klebend, verschmausste eine Heuschrecke.
Lediglich die stetig stechenden Muecken waren unser einziges Sorgniss, so unterbrach, das Klattschen, auf unsere Beine und Arme die abendliche Ruhe. Ruhe im, fast kindlichen Erleben des selbigen und der Natur ist wohl der zentrale Gemuetszustand waerend dieser Tage. Es war wie eine Entfalltung der Sinne fuer das, was uns umgibt. Wobei wir feststellten, dass diese Ruhe, einhergehend mit absoluter Aufgabenlosigkeit auch nichts ist was nicht Anstrengungslos fuer uns war. Wir merkten immer wieder einen gewissen Tatendrag, dass Verlangen nach Dingen, die wir konkret tun koennen. So war das Strandhaus vielen Dingen total Unterschiedlich zu Rio de Janeiro, ploetzlich waren nur wir und die Natur im Raum und kein manigfaliges Leben einer Grossstadt um uns herum.