Nach dem Aufbruch von Rio verbrachten wir zwei viel zu kurze, aber dennoch erlebnisreiche und kostbare Tage auf der wunderschönen Ilha Grande: eine langgestreckte Insel vor der brasilianischen Küste "Costa Verde", die nur aus Bergen, tropischem Wald und wunderschönen Stränden zu bestehen scheint. Einzig die zum Festland liegende Küstenseite ist dünn aber dicht mit Pousadas (Hostels) , Restaurants und verschiedenen Touriebüros besiedelt, die komplette Insel ist jedoch unmotorisiert. Allein auf Wander- und Wasserwegen kann die Insel erschlossen und erkundet werden.
Wir verbrachten zwei Nächte in einem sehr hübschen am Berg gelgenem Hostel, umgeben von tropischen Bäume und Goldfischteichen, mit Hängematten, Windspielen und Räucherstäbchenduft. In gemütlichen Gemeinschaftszimmern bekamen wir ersten Kontakt mit der brasilianischen Backpackerszene.
Aus den Pousadas schallt Raegge und brasilianische Forro-Musik. Ueberall wuseln Hunde und Katzen herum, die weitgehend ein schoenes Leben am Strand geniessen (doch mein Herz ist beinahe zerbrochen als ich ein paar wenige Tage alte fiepende Katzenbabies, am Wegrand im Pappkarton, gesehen habe...).
Am ersten Tag erkundeten wir die Buchten und kleineren Inseln auf der Vorderseite der Insel im Kanu. Als der Junge vom Kanuverleih uns versuchte zu erklaeren, dass wir die erste Bucht nicht verlassen sollten, war es sehr zu unserem Vorteil, dass wir FAST kein portugiesisch verstehen und sprechen... In anderen Situationen erweist sich dies als schwieriger. Als ich die Fahrkartenfrau an der Faehre fragte, wo es Toiletten gaebe und mich des spanischen Wortes SERVICIOS bediente, wurde ich nur verstaendnislos angestarrt. Spaeter lernte ich, dass das portugiesische Wort fuer Toilette BANHEIRO ist und die arme Frau gedacht haben muss, dass ich sie auf dem Bootsteg nach einem Kellner gefragt habe (portugiesisch Kellner=servicos).
Den ersten Abend verbrachten wir mit anderen Rucksacktouristen im Hostel.
Am zweiten Tag buchten wir eine Bootstour zu einem Strand auf der anderen Seite der Insel. In einem ausgebauten Fischerkutter schipperten wir das kurvige Ufer der Insel entlang und bestaunten die unberuehrte und artenreiche Natur der Ilha Grande: ein gruenes Meer aus ineinander verschlungen wachsenden Baeumen und Straeuchern, die von unten nach oben und von oben nach unten zu wachsen scheinen. Zwischendurch immer wieder bunte Blueten, selbst an den steilen, felsigen Ufern wachsen kleine Straeucher und kakteenartige Pflanzen.
Da der Wellengang auf der zum offenen Meer gelegenen Seite der Insel sehr viel rauer ist, konnten wir den Strand, zu dem wir gelangen wollten, nicht direkt anfahren. So hielten wir an einer Stelle, an der die Insel nur sehr schmal und nicht sehr bergig ist und ueberquerten zu Fuss noch einen kleinen Bergkamm. Auf schmalen Trampelpfaden durch den Wald erreichten wir schliesslich unser Ziel, den Strand LOPEZ MENDES: ein naturbelassener kilometerlanger Sandstrand, eingerahmt vom tropischen Baeumen und Palmen. Aufgrund der hohen Wellen ein Paradies fuer Surfer, sowie ein wunderschoener Anblick - durch Wasser und Sonne liegt der geschwungene Strand permanent in einem glitzernden Dunst.
Unser Highlight des Tages : kleine Aeffchen in den Baeumen ueber uns, die sich fuettern und streicheln liessen!!!
Bei Sonnenuntergang und zu Jack Johnson Musik fuhren wir am Abend wieder zurueck und waren mit uns und unserer Zeit auf der Ilha Grande insgesamt sehr zufrieden.
Am naechsten Morgen schaukelten wir auf der Faehre wieder zurueck aufs Festland. Nach einer rasanten Busfahrt an der gruenen Kueste entlang erreichten wir unseren naechsten Etappenstop Paraty.
Paraty ist eine kleine Kuestenstadt mit historischem Stadtzentrum im Kolonialstil. Wir erwarteten eine ueberrannte Touristenhochburg, wurden jedoch ganz wundervoll ueberrascht: die Stimmung in den kleinen Gassen zwischen weissgetuenchten Haeusern und Kirchen ist froehlich-gelassen, hinter farbenfrohen Fensterlaeden verbergen sich stilvolle Designer- und arts and crafts-Laeden.
So schlenderten wir mit Einheimischen und Touristen durch die kleinen Gassen und assen in einer brasilianisch-niederlaendischen Creperie zu Abend (solche und aehnliche Phaenomene begegnen uns hier andauernd: deutschbrasilianische, italienischbrasilianische, niederlaendischbrasilianische Familien etc. fuehren zur internationalen Vielfaeltigkeit der Menschen hier).
Am spaeten Abend werden die Gassen von Musik erfuellt, die aus den zahlreichen Bars toent. Die Ladenbesitzer stehen in ihren Tueren, plaudern mit ihren Nachbarn, ueberall Stimmengewirr und Lachen, ein paar Leute tanzen vor einer Bar auf der Strasse.
Bei Gitarren-Livemusik tranken wir unseren ersten Caipirinha und genossen die Stimmung um uns herum.
Ein Highlight in Paraty: Selbstbediener-Eisdielen mit exotischen Eissorten (besonders lecker Kokos, Maracuja und Mango!!!), -sossen und -streuseln, Preis nach Gramm.
Was wir ebenfalls, in unserem Hostel, lernten: „please, don’t throw the toilet paper in the toilet“ Macht man in Suedamerika einfach nicht.
Es wird ein Geheimnis bleiben, wieviele Toiletten wir auf unserem Weg bereits ausser Gefecht gesetzt hatten.
Der naechste Tag begann ungewiss. Doch nach einer weiteren abenteuerlichen bzw. halsbrecherischen Busfahrt an der Costa Verde, bergauf, bergab, Kurve um Kurve, In Richtung eines Ortes, den zunaechst niemand kannte, erreichten wir tatsaechlich unser Ziel! SUPER GEFUEHL.
Es tut gut, sich in dem zunaechst Unbekannten zurecht zu finden. Auf erste Ratlosigkeit folgt Kreativitaet und Tatendrang und am Ende funktioniert es. GoogleMaps, Mut zum Portugiesisch und ein paar hilfsbereite Menschen im Bus (da es weder Fahrplaene noch Ansagen zu den Stationen gibt, muss man den richtigen Moment abpassen, um aus dem Bus zu springen) brachten uns an unser Ziel: die Bushaltestelle von Barra do Sahy. Weiter kannten wir den Weg noch nicht.
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